„Nach Helgoland mit Leuten, die du nur aus dem Internet kennst?“ Die Reaktionen lagen zwischen Ermutigung und leichtem Kopfschütteln, immer gepaart mit ein wenig freundlichem Unverständnis. (Sie macht da ja immer so komische Sachen, aber lasst sie mal, man kann sie dann wenigstens fragen, wenn was am Computer nicht geht.) Und natürlich wusste ich, dass die Leute, die ich nur aus dem Internet kenne, ganz bestimmt sehr nette Menschen sind, aber etwas aufregend war es schon, denn ich kannte ja lange nicht alle, die zur „Klassenfahrt“ – 3 Tage auf Helgoland im freundschaftlich verbundenen Hotel (im schönsten 50-er-Jahre Design, aber ohne die sonst damit verbundene Tristesse und Abgewetztheit) zum Sonderpreis –  eingeladen worden waren, auch nur aus dem Internet. Aber so viele Gelegenheiten hat man ja auch nicht, schrecklich nette Menschen, die ca. 600 km entfernt wohnen, endlich mal kennenzulernen. Und nach Helgoland wollte ich schon, seitdem ich „Mein Urgroßvater und ich“ von James Krüss gelesen habe, was schon ziemlich sehr lange her ist (Hilfe, ich bin bestimmt die Älteste!). Die Menschen, die ich aus dem Internet kannte waren genauso nett, wie ich sie mir vorgestellt hatte, und teilweise auch ganz anders. Die mir bisher unbekannten auch. Und alle haben sich engelsgeduldig meine endlosen James-Krüss-Zitate und Geschichten angehört und ich durfte auf einem fremden Iphone twittern und Twitter gucken und wurde mit Chips und alkoholischen „Pröbchen“ versorgt. Und war natürlich die Älteste. 12 Erwachsene und 3 großartige Kinder liefen also am ersten Tag über die Insel und am zweiten über die Düne, zu der man mit dem Boot fährt, und schauten bei strahlendem Sonnenschein Hunderte (nicht übertrieben) Robben und Seehunde an, außerdem Trottellummen, Basstölpel, Dreizehen- und andere Möwen (bei James Krüss gibt es ja die Gummischnabel-Emma und noch zwei andere…), machten zusammen mindestens 700 Fotos, tranken Kakao mit Rum, Eier- und Ananasgrog (Bier zählt so weit nördlich ja nicht) und twitterten zwischendurch darüber. „Immer wenn ich dich anrufe, lachst du“, sagte der Mann und freute sich. Kein Wunder, ich habe ja auch dauernd gelacht und gekichert und geprustet und geschmunzelt.Robben und Seehunde auf der Helgoländer Düne Dass ich den dritten Tag wegen Magen-Darm dann blässlich-schwächlich-frierend nicht so recht genießen konnte – egal. Dagegen gab es dann Fencheltee, Zwieback und geriebenen Apfel bei der netten und klugen Patentante in Bremen, der ich Twitter erklärt habe und die mir immer wieder zeigt, dass das mit dem Alter eh relativ ist. Hoffentlich gibt es nächstes Jahr wieder eine Klassenfahrt. Ich glaub, ich will dann auch Internet auf meinem Telefon.

(Mehr bei Isa (Fotos bei Flickr), Little JamieMerlix, serotonicSvensonsan und adelhaid .) – und jetzt auch bei giardino.
(1) Der Titel „Robbenbloggen“ ist geliehen von isabo (2009)