Cover "Nudeldicke Deern"

Ein Buch, auf das ich mich schon lange gefreut hatte.  Schließlich lese ich Ankes Blog schon länger und konnte da quasi live miterleben, wie ein Food-Coaching ihre Ess- und Kochgewohnheit ganz schön verändert hat (und sie jetzt dauernd tolle Sachen kocht, die man sofort probieren und/oder nachkochen möchte). Und so habe ich mir dann auch kein signiertes Exemplar bestellt, sondern bin gleich am Tag des Erscheinens in die Buchhandlung meines Vertrauens, um es möglichst schnell lesen zu können. Als Leserin von Ankes Blog hat mich nicht wirklich überrascht, dass es wunderbar locker und humorvoll und klug und professionell geschrieben ist.

Für die wenigen, die noch nicht wissen, worum es geht: Anke Gröner schreibt über ihr Verhältnis zum Essen und den Einfluss, den ihre Umwelt darauf genommen hat. Am Anfang ist da z.B. die Kinderärztin, die ein normalgewichtiges, kräftiges Kind, das sich gern bewegt, für zu dick befindet. Später kommen Diäten, die kurzfristig super funktionieren, mit der anschließenden zügigen Wiederzunahme. Und es kommen miese, verletzende Bemerkungen von dummen Leuten und ein entsprechendes Selbstbild. Und irgendwann dann das Food-Coaching, das nicht dazu führt, dass sie wahnsinnig viel abnimmt, sondern zu etwas viel Wichtigerem: einer vielfältigeren, genussvollen Ernährung und mittelbar dann auch zu einem freundlichen Verhältnis zum eigenen Körper. Dazu gibt es ein paar Kapitel, in denen es einigen Mythen über das Dick- und Dünnsein („Die Deutschen werden immer dicker“ „Dünne Menschen sind gesünder“ usw.) an den Kragen geht.

Was ist das Besondere an diesem Buch? Gewicht und Diät sind ja ein Thema, auf das quasi jede Frau sofort anspringt. Viele betonen ja, noch nie eine Diät gemacht zu haben, was mich aber nur mäßig beeindruckt, wenn sie sich dafür täglich wiegen…  Ok, ich habe schon diätet, wenn auch nicht besonders ausdauernd und erfolgreich (was wahrscheinlich mein Glück ist). Und ich habe schon mit Anfang 20 „Fat is a Feminist Issue“ von Susie Orbach gelesen und weiß auch eigentlich, dass ich nur mit dem auch von Anke propagierten „intuitiven Essen“ wirklich gut lebe. Trotzdem wäre ich lieber am unteren als am oberen Rand des „Normalgewichts“, trotzdem zögere ich, mir einfach weitere Hosen zu kaufen, wenn der Bund zwickt und denke manchmal stattdessen über kalorienarme Mahlzeiten nach. Und ich nehme sehr dünnen Frauen manchmal übel, dass sie so sind und eventuell dafür auch hungern und sehr viel Sport treiben.

Anke sagt nun aber nicht: „Iss intuitiv und genussvoll mit frischen Zutaten, dann nimmst du irgendwann von selbst ab“, sondern „Iss intuitiv und genussvoll mit frischen Zutaten, dann ist es egal, wieviel du wiegst. “ Und sie schreibt darüber, wie sie es jetzt schafft, ihren Körper zu mögen, so wie er ist, und die Dünnen dünn sein zu lassen, ohne Groll. Und das ist dann auch das Happy End der Geschichte – und nicht die Tatsache, dass sie durch die Ernährungsumstellung (Präambel: Du darfst essen, was immer du willst) dann doch abgenommen hat.  Und damit geht sie einen Schritt weiter als weiland Susie Orbach und meine bisherige „aufgeklärte“ Einstellung. Einen sehr erstrebenswerten Schritt, wie ich meine.

Allen Frauen (und Männern), die offen oder heimlich mit ihrem Gewicht hadern und auch den Männern, die meinen, ein bisschen Essstörung sei doch ganz niedlich bei einer hübschen Frau, wärmstens empfohlen!

Anke Gröner: Nudeldicke Deern: Free your mind and your fat ass will follow
Wunderlich, 2011
Gebundene Ausgabe, EUR 14,95
Website zum Buch mit vielen Informationen und Links: http://deern.ankegroener.de/