Zum Glück ist dieses Fußballdings vorbei, wenn sie dann alle so traurig sind, kann ich gar nicht hinschauen.

Jetzt wird es Zeit für eine andere Großveranstaltung, bei der es um viel mehr geht als nur um Sieg und Niederlage: den Eurovision Song Contest.  Hier geht es schließlich um Völkerverständigung, Nationalstolz, Absurdität und Trickkleider! Und um Musik ja gewissermaßen auch. Freuen Sie sich auch schon darauf, bei einem Gläschen Sekt Sprachen und Komplimente zu zählen und sich ein bisschen über die völlig falsche Bewertung aufzuregen? Dabei wäre es doch so einfach, wenn sich alle nach klaren und vernünftigen Bewertungskriterien richten würden, wie zum Beispiel die Folgenden, die völlig subjektiv und widersprüchlich, also unantastbar sind.

Pluspunkte werden für folgende Eigenschaften des Liedes und seiner Aufführung vergeben (für überzeugende Beispiele bitte auf die Links klicken):

Musik und Text:

Lied wird nicht (oder zumindest nicht nur) auf Englisch vorgetragen. (Evtl. Extrapunkt für Sprachen, die besonders wenige Leute verstehen (Maltesisch, Isländisch, Armenisch oder Fantasiesprachen). Beispiel: Verka Serduchka (2007)

Interpret_in spielt auf der Bühne ein Instrument. Beispiel:  Lordi (2006), auch kleidungsmäßig untadelig

Andere live gespielte Instrumente auf der Bühne. Beispiel:  Secret Garden (1995)

Folkloristische Elemente. Beispiel: Sertap Erener (2003, ansonsten auch eine Kandidatin für Overkill-Punkte, siehe weiter unten)

Das Lied enthält Rückungen.  Beispiel:  Milk and Honey (1997)

Aussehen und Outfit:

Die Personen auf der Bühne sind vollständig bekleidet (Männer: kein nackter Oberkörper, Frauen: Dekolletée nur zu Hose oder langem Kleid, nicht bauchfrei, dezente Miniröcke gehen eventuell noch durch). Beispiel: Johnny Logan

Trickkleider (was wäre der ESC ohne Trickkleider!) Beispiel: 3+2 (2010, zwar nur 9. Platz, aber besonders schöne Trickkleider, Video steigt gleich an der richtigen Stelle ein)

Interpret_in hat keine Modelfigur. Beispiel: Marija Šerifović (2007)

Interpret_in ist über 50 Jahre alt. Beispiel : Olsen Brothers (2000)

Bühnenshow:

Kein Gehopse (ja genau, keine Tänzer_innen auf der Bühne,  keine Akrobatik, Extrapunkt für Vortrag im Sitzen) Beispiele: Dana (1970), Nicole (1982)

Keine Pyrotechnik. Beispiel: Lena  (2010, damit wäre die auch untergebracht)

Sie könnten jetzt einwenden, dass dadurch ältere, beleibte Interpreten bevorzugt werden, die sitzend Folkoresongs mit Rückungen (vorzugsweise auf Maltesisch oder Isländisch) vortragen und dazu ein Instrument spielen und das Ganze im Trickkleid. Aber ehrlich – wäre das nicht wirklich der perfekte ESC-Song?

Außerdem gibt es für alle Eventualitäten noch die Overkill-Punkte, die für folgende Kombinationen vergeben werden:

Pyrotechnik, Gehopse (möglichst Akrobatik) und unvollständige Kleidung bzw. Folklore (mindestens 3 dieser Punkte). Einige Beispiele für erfolgreiche Titel mit Overkill-Punkten: Ruslana (2004), Alexander Rybak (2009).

Alles totaler Quatsch? Stimmt. Aber das ist ja gerade des Schöne!

Ergänzungen

Herr Giardino hat zwei weitere Kriterien vorgeschlagen, die ich gern übernehme:

Punkte für Acrylpianos

Keine Frage, ein durchsichtiges Klavier verdient einen Punkt.  Wegen Transparenz und so.

Humorpunkte

Auch klar. Lustig ist gut.

Ein Ausschnitt aus dem Halbfinale am Dienstag hat mir zudem gezeigt, dass eine weitere Kategorie fehlt: Gebäckpunkte!
(Möglicherweise einziges) Beispiel: Buranowski Babuschki (2012)