So einfach während der Öffnungszeiten hingehen funktioniert in diesem Museum nicht, man muss sich vorher anmelden und braucht eine Führung. Die braucht man wirklich, denn es ist völlig dunkel. So dunkel wie sonst selten. Kein kleinster Lichtschimmer. Uhren, Handys, alle Dinge, mit denen man schummeln könnte, mussten wir am Eingang einschließen. Wir sind sieben Personen, unser Frankfurter Freundespaar, drei Mädchen/junge Frauen, Schwestern aus dem Rheinland, der Mann und ich. Eine freundliche junge Frau schickt uns ins Dunkel, wo unser Guide auf uns wartet. Er heißt M., fragt nach unseren Namen und erklärt, wir reisten jetzt in ein Land, das wir dann raten sollten. M. ist mal vor, mal hinter uns, scherzt mit der jüngsten rheinischen Schwester, schätzt den Mann nach seiner Stimme 25 Jahre jünger und macht auch sonst viel Spaß. Rechte Hand an die Wand und los, dann geht es um die Ecke. Der Untergrund ändert sich, wir gehen über Kies. Wir hören Tierstimmen, über die M. erzählt. Stop, hier sind jetzt echte Tiere, na ja, nicht lebendig, aber zum Befühlen. Ich bin die letzte in der Reihe weiß nie, ob meine Vorderfrau schon weitergegangen ist, und muss regelmäßig hinfassen, gut, dass wir uns kennen. Irgendwann bin ich auch bei den Tieren und meine Hand wird zum Befühlen von Fell und Haut geführt. Manchmal gehen wir an Wänden entlang, die wir rechts oder links fühlen können, manchmal legen wir die Hand auf die Schulter der Person vor uns. Stöcke haben wir auch, aber ich mag gar nicht so weit von den anderen weggehen, dass ich sie sinnvoll einsetzen könnte. Kleine Pause, wir setzen uns auf den Boden, M. erzählt wieder über das Land, wir hören Tierstimmen und Musik.

Weiter, wir besuchen eine Hütte und betasten allerhand Gegenstände aus dem Land. Jetzt kommt eine Bootsfahrt, ja wirklich. Mit einem Motorboot. Es ist allerdings streng verboten, die Hand ins Wasser zu strecken, wegen gefährlicher Tiere. Macht auch keiner, wir sind ja nicht lebensmüde.

Danach geht es durch städtische Gebiete mit landestypischen Dingen. Am Schluss kommen wir in eine Bar. Die Barfrau erzählt die Getränkekarte (unter anderem im Angebot: ein Überraschungsgetränk, das man dann raten muss), wir bestellen und zahlen mit mitgebrachten Münzen. „Du sitzt auf dem Tisch!“ erklärt M. dem Mann, tatsächlich, der Tisch ist eher niedrig und die Bank auf der anderen Seite.

Jetzt bietet M. an, dass wir Fragen zum Land oder zur Blindheit stellen. Das Land haben alle erraten, aber Fragen gibt es genug. Er erzählt Persönliches (dank der Frage der jüngsten Schwester wissen wir nun auch, wie sein Hund heißt) und erklärt, wie er sich orientiert. Unsere Bewunderung für M. wird immer größer, je mehr wir merken, wie hilflos wir im Dunkeln sind. Es ist zum Beispiel furchtbar schwer, abzuschätzen, wie weit M. von uns entfernt ist, wenn wir seine Stimme hören. Wir haben keine Ahnung, wie groß der Raum war, in dem wir uns bewegt haben. Ein Kilometer? Zwölf Quadratmeter? Nach anderthalb Stunden verabschieden wir uns von M., ohne ihn gesehen zu haben. Wieder im Hellen berichten einige, dass ihnen anfangs  schwindlig war, andere schwanken ein wenig, als kämen sie jetzt von einem Schiff an Land. Die Schwestern, die im Dunkeln ganz unbefangen waren, sind auf einmal etwas verlegen. Jetzt noch am Gewinnspiel teilnehmen und eine Reise in das Land gewinnen, dann ist der wirklich besondere Museumsbesuch zu Ende. Absolut empfehlenswert.

Mehr Informationen unter http://dialogmuseum.de/

Gespräch mit Klara Kletzka, Geschäftsführerin des Museums (Hr2 Doppelkopf) http://www.ardmediathek.de/hr2/hr2-das-aktuelle-kulturgespraech?documentId=15908144