Percanta hat mit einem Stöckchen gewedelt, und ich habe Och gesagt. Also bin ich dran und darf ihre Fragen beantworten. Das ist übrigens eine Premiere, ich habe mich bis jetzt nie so richtig angesprochen gefühlt (oder war zu faul oder dachte, das interessiert eh niemanden). Der erwähnte Zwölf-Elf war mir übrigens aus einem anderen Gedicht vertraut, aber dann stellte sich heraus, dass ich ihn mit dem Nachtschelm verwechselt hatte. Dessen Morgenstern-Gedicht passt gut zu meiner Antwort auf Frage 4. (Morgenstern an meinem persönlichen Sternenhimmel, warum nicht?)

1. Du wirst vom Radio zu einer Sendung eingeladen, sie führen eine Stunde lang ein Gespräch mit Dir. (Sowas wie „Doppelkopf“ auf HR2). Du darfst Dir dafür fünf Musikstücke wünschen. Welche?

  • Eva Cassidy: Fields of Gold  (Als Eva Cassidy nach ihrem Tod auf einmal im Radio gespielt wurde, sollen Autofahrer auf den Seitenstreifen gefahren sein, um in Ruhe zuhören zu können. Ich erinnere mich, dass ich im Flur stehenblieb, um dieses Lied zu hören. Besser als das Original von Sting, den ich auch sehr mag.)
  • Sting: Moon Over Bourbon Street (Das bachoboenartige Saxophon!)
  • Johann Ludwig Krebs: Variationen über Wie schön leuchtet der Morgenstern (Ich kann Orgelmusik eigentlich nicht leiden, aber dieses Stück entzückt mich total)
  • Tarquinio Merula: Ciaccona (noch so ein Barockstück, das fetzt)
  • Um Platz 5 streiten u.a. Sally Barker (Another Train) und (nochmal) Sting (Spread a Little Happiness). Und noch ein paar andere. Ich warte die Entscheidung lieber nicht ab.

2. Frösche, Pinguine, Eulen. Welches putzige Tierchen wird als nächstes unsere Kaffeetassen, Umhängetaschen, Postkarten, Shirts und Dekokissen bevölkern, bis auch die treusten Fans es nicht mehr sehen können? Waschbären? Langohrigel? Irgendjemand, den wir noch gar nicht auf dem Schirm haben?

Ich wäre für Mopsfledermäuse oder Esel, aber auf mich hört ja keiner.

3. a. Was war Dein liebstes Was-ist-Was-Buch?
b. Hast Du Deinen Beruf entsprechend ausgewählt?
Wenn ja: alles richtig gemacht? Wenn nein: Warum nicht? Und wäre das Was-ist-Was-Thema besser gewesen?

Ich hatte nie ein Was-ist-Was-Buch. Vielleicht hätte ich ja was Anständiges gelernt und nicht nur gemacht, was mir leicht fiel. Die (interne und externe) Motivation, Dinge zu lernen, die mir schwer fallen, hat in meinem Leben immer gefehlt. Das ist sehr schade.

4. Sternzeichen, Aszendent, Blutgruppe, Geschwisterposition oder die Gene. Steht Dein Leben unter irgendeinem ‚Stern‘ oder hast Du Deine Charakterbildung selbst in der Hand?

Oh, das ist schon fast ein Sternenhimmel, jedes dieser Elemente trägt etwas Passendes bei. Sternzeichen: Vor einigen Jahren hat ein Fachmann herausgefunden, dass ich ziemlich genau zwischen zwei Sternzeichen stehe, dem eher bodenständigen Stier (Veränderung? Muss das sein?) und dem umtriebigen, vielseitig interessierten und etwas flatterhaften Zwilling (mir ist langweilig!). Passt, auch wenn Astrologie für mich doch eher ein Gesellschaftsspiel ist. Blutgruppe: 0 positiv. Nix besonderes, anpassungsfähig. Passt. Geschwisterposition: Einzelkind mit 4 Stief- und Halbgeschwistern. Zweifel an Zugehörigkeit und Verlustängste, auf der anderen Seite aber auch Freude an Unterschiedlichkeit und unkonventioneller Gemeinschaft, die (durchaus unter Schmerzen erkämpfte) Freiheit, sich nicht bei jeder Auseinandersetzung auf eine Seite schlagen zu müssen. Unter dem Strich eher ein guter Stern. Und die Gene sicher auch, vor allem die psychogenetischen Faktoren (Kriegsenkelin).

5. White wine to the fish?

Ab Ostern sehr gerne wieder. Am Liebsten vom Kaiserstuhl.

6. Mustermix, Patchwork, Color-blocking oder doch eher Ton in Ton? (In Kleidung, Haaren, Familie. Du entscheidest.)

Kleidung: gedeckte Farben, langweilig und vorsichtig kombiniert. Haare: unauffällige Kammsträhnchen, um mich vor der kompletten bleichblondgrauen Farblosigkeit zu bewahren. Familie: buntes Patchwork (s.o.)

7. Eine Frage aus der Mottenkiste: Welche Comic- oder Zeichentrickfigur bist du?

Irgendwas zwischen Mafalda, Linus, Calvin und Calvins Mutter?

8. Welcher Einfall der Natur hat Dich zuletzt überrascht? Oder hört nicht damit auf, Dich zu faszinieren?

Die Kommunikation zwischen Pflanzen. Und immer wieder die Entstehung neuen Lebens – Knospen und Kinder.

9. Was hast Du gerade in Deinen Hosen- und/oder Jackentaschen?

Papiertaschentücher. Lyrisch unvorteilhaft.

10. Sehr schön. Ich würde mich freuen, wenn Du über einen dieser Gegenstände ein Gedicht schreiben könntest. Einen Haiku, einen Limerick, einen Vierzeiler für’s Tageblatt, ein Sonett, egal. Wenn es Dir lieber ist, kannst Du auch was zeichnen. Oder tanzen. Oder eine Oper dazu komponieren. Nur: Wir würden das hier gerne sehen!
Und wenn die Antwort aus 9 Dich nicht inspiriert, nimm die 2.

Läuft die Nase,
tropft der Hase,
fließt die Träne,
schmutzt der Däne,
spritzt der Tee,
schmiert Püree,
rinnt vom Kind
Fett vom Rind,
nimm ohne Fluch
ein Taschentuch.
Schmeiß mit Dreck
es dann weg.

11. Geht es eigentlich auch wieder etwas weniger hysterisch? (Bzw.: alle bekloppt?)

Oh ja, bitte!

12. Haben Sie denn noch irgendwelche Frage an uns?

Nein, aber die Antworten lese ich sehr gern.